Geistliches Priesterjahr

19. Juni 2009: Einführungsworte zum Priesterjahr
 Diese innere Erneuerung aller Priester ist von
großer Bedeutung für das Leben der Kirche, und für das Heil des ganzen
mystischen Leibes. Mit der fortschreitenden Säkularisierung und ihrer
Verwerfung Gottes sowie des übernatürlichen Lebens, gehen unvermeidbar ein
Unverständnis und eine Geringschätzung
des Priestertums einher. Diese Haltung offenbarte sich leider in einigen
prompten Reaktionen auf die Eröffnung des Priesterjahres, in denen man die
Gelegenheit ergriff, sich gegen die grundlegenden Elemente des Priestertums,
wie Zölibat und Lehrgewalt, in aller Deutlichkeit auszusprechen. In solch einer negativen und verwirrten
Atmosphäre besteht verstärkt die Gefahr für den Priester selbst, dass er das
Gespür für seine eigene priesterliche Identität verliert. In seiner Ansprache
vor der Kleruskongregation, in welcher der Heilige Vater erstmals die Eröffnung
des Priesterjahres verkündete, machte er auf diese Gefahr der „Unterbewertung
des priesterlichen Amtes“ aufmerksam: „Die Zentralität Christi bringt die
richtige Wertung des Priesteramtes mit sich, ohne das es keine Eucharistie und
erst recht keine Sendung, ja selbst die Kirche nicht gäbe. In diesem Sinne ist
es notwendig, darüber zu wachen, dass die ,neuen Strukturen‘ oder pastoralen
Einrichtungen nicht für eine Zeit gedacht sind, in der man ohne das Weiheamt
,auskommen‘ muss, wobei von einem falschen Verständnis der rechten Förderung
der Laien ausgegangen wird. In diesem Fall würde man nämlich die
Voraussetzungen schaffen für eine noch größere Verwässerung des Priesteramtes,
und die angeblichen ,Lösungen‘ würden sich in dramatischer Weise decken mit den
eigentlichen Ursachen der gegenwärtigen Problematiken, die mit dem Amt verbunden
sind.“
All zu oft versucht die säkulare Welt, wo
immer auch eine unterscheidende Abgrenzung zwischen Menschen zu finden ist, den
Zustand eines dauernden Klassenkampfes zu etablieren oder zumindest den Geist
einer fortwährenden Rivalität zwischen den sozialen Stellungen wachzuhalten.
Dies betrifft den Kampf zwischen Mann und Frau, Arbeitgeber gegen Arbeitnehmer
und ebenso auch die Unterschiede zwischen Laien und Priester, als ob alles auf
ein Ringen nach mehr Macht reduziert werden könnte.
Leider hat diese Sicht irrtümlicherweise
einige zu folgendem Entschluss geführt (entweder ausdrücklich oder nur
implizit), dass es der geeignetste Weg wäre die Würde der Laien
herauszustellen, wenn der priesterliche Charakter des kirchlichen Lehr-,
Heiligungs- und Hirtenamtes mehr und mehr verschwindet. Damit wird das
Verhältnis zwischen Priester und Laien auf einen Rangordnungskonflikt reduziert,
verbunden mit der Ignoranz, dass die Pflichten und Verantwortlichkeiten der
verschiedenen Stände, die in Jesus Christus selbst begründet sind, sich
gegenseitig vollständig ergänzen.
Dieser Irrtum ist beispielhaft an den
gemeinhin üblichen Reaktionen auf den Versuch des zweiten Vatikanischen Konzils
zu erkennen, die Kirche besser in der modernen Welt zu situieren, um so der
Kirche geeignetere Mittel in die Hand zu geben, ihre Stimme wieder in einer
Welt geltend zu machen, die seit den 60er Jahren einer dramatischen
Säkularisierung unterworfen ist. Dazu wollte das Konzil die Laien auf die Ihnen
zukommenden Aufgaben und ihre Rolle in Kultur und Gesellschaft aufmerksam
machen (Lumen Gentium 30f.). Deren Aufgabe sollte es sein der Kirche in ihren
jeweiligen weltlichen Verantwortungsbereichen zu dienen, sei es als Politiker,
Jurist, Wissenschaftler, Arzt oder anderen politisch oder gesellschaftlich
bedeutenden Berufen, um dort die Gelegenheit zu ergreifen, die Wahrheit des
Evangeliums sichtbar werden zu lassen. In einer säkularisierten Welt werden nur
wenige dieser Menschen den Weg in die Kirche finden und sich dort durch die
Predigten der Priester mahnen lassen, aber jeder kommt am Arbeitsplatz oder in
der Gesellschaft mit katholischen Laien in Berührung.
Leider ist diese bemerkenswert wichtige
Aufgabe der Laien, den Glauben in ihrem eigenen Umfeld zu leben, unbedeutend
geworden oder im Kampf nach mehr Ansehen und Macht gänzlich in Vergessenheit
geraten. Diese den Laien eigene Stellung
und deren Beitrag zum kirchlichen Leben wurde in vielen Köpfen durch jene Idee
verdrängt, dass der beste Weg die Würde des Laien herauszuheben deren
„Klerikalisierung“ sei, besonders deren Rolle innerhalb des Altarraums und in
der heiligen Liturgie. Solch ein grob vereinfachender Lösungsansatz trägt weder
dazu bei, die Identität des Priesters noch die wirklichen und wichtigen
Aufgaben der Gläubigen in der Welt besser zu verstehen. Wenn die Kirche eine
geltende Stimme in der heutigen Gesellschaft haben soll, dann muss es klar und
sorgfältig unterwiesene Laien geben, die mit Begeisterung ihr tägliches Leben
nach dem Evangelium in Übereinstimmung
mit deren Standespflichten leben, anstatt sich auffordern zu lassen, den
eigenen Wert daran zu messen, wie viele dem Klerikerstand zugehörigen Aufgaben man
nun selbst wahrnehmen könne.
Der Heilige Vater stellt uns in diesem Jahr als
priesterliches Vorbild den Patron der Pfarrer, den hl. Johannes Maria Vianney,
vor Augen, der oft zu seiner Gemeinde von dem großartigen Geschenk des
Priestertums sprach: „Ein guter Hirte, ein Priester nach dem göttlichen Herzen,
ist der größte Schatz, den der gütige Gott einer Pfarrei zuwenden kann und das
kostbarste Geschenk der göttlichen Gnade.“ Er betonte das Priestertum als grundlegendes
Mittel für das Heil der Seelen: „Ohne Priester, hätte das Leiden und Sterben
unseres Herrn keinen Nutzen. Es ist der Priester, welcher das Erlösungswerk auf
Erden fortführt.“ Er bewunderte die Gnade, welche er selbst empfangen durfte:
„Wenn der Priester erkennen dürfte was er wirklich ist, würde er sterben; nicht
aus Furcht, sondern aus Liebe.“
Wenn man all dies berücksichtigt scheint es notwendig,
gerade in diesem Jahr über die priesterliche Identität zu sprechen. Kurz vor
dem Augenblick des Weiheakts innerhalb der Priesterweihe ermahnt der Bischof
die jungen Weihekandidaten, folgende Worte stets in ihrem ganzen Leben
umzusetzen: „Agnoscite quod agitis; imitamini quod tractatis; quatenus mortis
Dominicae mysterium celebrantes, mortificare membra vestra a vitiis et
concupiscentiis omnibus procuretis. – Erkennt, was ihr tut! Ahmt nach, was ihr
verrichtet! Wenn ihr also das Geheimnis des Todes des Herrn feiert, so seid
bedacht, in euren Gliedern alle Laster und Lüste abzutöten.“
In den Konstitutionen unserer Bruderschaft
heißt es, dass „das Ziel der Priesterbruderschaft St. Petrus die Heiligung der
Priester ist, durch die Ausübung des Priesteramtes. Im Besonderen will sie das
Leben des Priesters auf das ausrichten, was wesentlich dessen
Daseinsberechtigung darstellt …“ (Konst. 7). Demgemäß scheint es die geeignete
Aufgabe der Bruderschaft zu sein einen kleinen Beitrag im kommenden Jahr zu
leisten, indem sie jene Mittel zur Verfügung stellt, die helfen, die Kenntnis
des Priestertums zu vertiefen, um die Größe dieses Gnadengeschenks noch besser
zu verstehen und dadurch die Geweihten zu ermutigen entsprechend großmütig auf
diese Gnade zu antworten.
Unser Seminar in Wigratzbad beginnt das
akademische Jahr im September mit einer Wallfahrt nach Ars und einer hl. Messe
am Grab des hl. Pfarrers. Mit den
folgenden Betrachtungsvorschlägen, die Papst Benedikt XVI. selbst in seinem
apostolischen Schreiben zur Eröffnung des Priesterjahres herausstellt, hoffen
auch wir, vielen Priester für das ganze Jahr hindurch eine geistlichen
Leitfaden anbieten zu können. Die einzelnen Themen sollten besonders im Licht
des Lebens des hl. Johannes Maria Vianney betrachten werden.
Juli / August: Das Priesteramt in der Kirche:
hl. Messe und Beichtsakrament
September / Oktober: Das kirchliche Lehramt
November / Dezember: Das kirchliche Hirtenamt
Januar / Februar: Der Priester und die Armut
März / April: Der Priester und die Keuschheit
Mai / Juni: Der Priester und der Gehorsam
Mögen diese Betrachtungsvorschläge die
Mitglieder der Konfraternität St. Petrus und alle Gläubigen dazu ermutigen mit viel
Eifer für die Priester zu beten. Unsere größte Hoffnung ist es, dass dieses
kommende Jahr vielen Priestern helfen möge, den Reichtum ihrer Berufung noch
tiefer zu verstehen, indem sie sich „innerlich erneuern“ lassen, wie es auch
die Hoffnung unseres Heiligen Vaters ist, und indem sie dem Heiligsten Herzen Jesu Christi, dem
einzigen Hohenpriester, nachfolgen, denn „Gott ist der einzige Reichtum, den
die Menschen letztendlich in einem Priester finden wollen.“ (Papst Benedikt
XVI. in seiner Ansprache an die Kleruskongregation)
19. Juni 2009, am Fest des allerheiligsten
Herzens Jesu zur Eröffnung des Priesterjahres
H.H.P. John Berg Generaloberer
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