Geistliches Priesterjahr

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23. Dezember 2009: Das kirchliche Hirtenamt

Johannes-Maria Vianney: der Pfarrer von Ars

Die kanonisierten Heiligen sind uns fast immer unter ihrem Vornamen bekannt: Heiliger Timotheus, heiliger Matthias und heilige Agnes. Andere Heilige haben einen Beinamen, um sie von Heiligen, die denselben Namen tragen, unterscheiden zu können: Johannes der Evangelist oder Stephanus der Protomartyrer. Es ist vielleicht nicht unbedeutend, dass der heilige Johannes-Maria Vianney im Allgemeinen eher unter seinem Titel, denn unter seinem eigentlichen Namen bekannt ist: Pfarrer von Ars. Ähnlich wie beiseinem Namenspatron, dem heiligen Johannes der Täufer, bestimmt seine Aufgabe sein ganzes Wesen: Er ist der Pfarrer, der Seelsorger der Gläubigen von Ars, der Hirte seiner Herde.

Die ersten Gedanken, die man mit dem Pfarrer von Ars verbindet, richten sich zunächst auf seine Tätigkeit als Prediger und Beichtvater. Seine direkten Verpflichtungen als Pfarrer, seine anderen pastoralen Tätigkeiten und die Weise, wie er seine Pfarrei leitete, rücken meist in den Hintergrund. Jeder Priester hat als alter Christus Anteil am dreifachen Wirken Christi als Priester, Prophet und König. Als Werkzeug Christi bedarf der Priester aller drei Ämter, um den ihm anvertrauten Gläubigen den Weg zum Himmel zu bereiten.

Das letzte der drei Ämter wird mit den verschiedensten Namen bezeichnet: Der Begriff munis regendi, Leitungsamt, unterstreicht die Verbindung zwischen Weihesakrament und der Einrichtung von Hierarchie und Leitung in der Kirche, mit dem Papst an der Spitze und den Bischöfen und Priestern in Gemeinschaft mit ihm. Jüngere Dokumente benennen diese Aufgabe des Priesters als „Hirtendienst“ oder die „grundlegende Beziehung“ zu Jesus Christus dem „Haupt und Hirten“[1]. Insofern der Priester die Sendung Christi teilt, hat er auch notwendig Anteil an Seiner Autorität: „Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“[2]

Der bloße Begriff der Autorität wird heute nur schwer akzeptiert oder ausgeübt, nicht nur in der Gesellschaft als Ganzes, sondern auch in den Familien und sogar innerhalb der Kirche. Wenn wir das Leben des heiligen Pfarrers betrachten, so fällt auf, dass dieser Aspekt seines Priestertums für ihn am schwierigsten war: Nicht selten schreckte er vor den Verpflichtungen, die der Hirtendienst und die Verantwortungfür die ihm anvertrauten Seelen mit sich brachten, zurück.

Die Tatsache, dass Johannes-Maria mehr als einmal versuchte, aus seiner Pfarrei zugunsten eines kontemplativen Lebens zu fliehen, gehört vielleicht zu den überraschendsten Anekdoten seines Lebens, aber es unterstreicht wohl auch, dass die Schwere des Hirtendienstes leicht übersehen oder unterschätzt wird. Das quo vadis des heiligen Petrus oder die Tränen des heiligen Papstes Pius X. nach seiner Ernennung bezeugen dies. Der Pfarrer von Ars liebte seine priesterlichen Aufgaben, gab aber auch offen zu, dass die pastoralen Verpflichtungen ein Kreuz für ihn darstellten: „Ich bereue es nicht, Priester zu sein und die Heilige Messe darbringen zu können. Aber ich wollte kein Pfarrer werden.“[3]

Anlässlich des einhundertsten Todestages des Heiligen erwähnte Msgr. Ancel, Weihbischof von Lyon, dass die Ängstlichkeit des heiligen Pfarrers gegenüber seinen Verpflichtungen ein wahres Geheimnis in seinem Leben darstellt, das nicht leichtfertig übergangen werden kann:
„Wenn wir die pastorale Spiritualität des Pfarrers von Ars betrachten so stoßen wir auf einen besonders schwierigen Punkt, den wir unmöglich ganz verstehen können. Wir können nur festhalten, dass die Angst, die seine Seele beim Gedanken an seine pastoralen Verpflichtungen erfüllte, für den Heiligen eine Gelegenheit zu einer tiefen spirituellen Reinigung war – auch für uns [Priester] sollte dies eine Gelegenheit für eine vertiefte geistliche Betrachtung sein.“[4]

Tiefes Verständnis der pastoralen Verpflichtungen

Die Auffassung, die Johannes-Maria Vianney von seinen Verpflichtungen hatte, wurde nicht einfach von Abhandlungen über das Priestertum geprägt, wie er sie in Handbüchern zur Moraltheologie finden konnte. Zweifelsohne hat er zu seiner Zeit eine stark lehrmäßige Ausbildung in Hinsicht auf seine Aufgaben als Priester genossen. Er verstand gut, dass die Aufgaben eines Priesters nicht nur in der Heiligung durch dieSakramente oder im Predigtdienst auf der Kanzel bestehen, sondern, dass er individuelle Seelen anleiten und gelegentlich Dinge sagen musste, die Antworten provozierten, wie sie auch schon der Herr erhalten hatte: „Was er sagt, ist unerträglich. Wer kann das anhören?“[5] Für Johannes-Marie waren die ersten beiden Verpflichtungen eine Freude, die dritte aber sollte immer ein Kreuz für ihn bleiben: „Ich ruhe mich nur zweimal am Tag aus“, sage Johannes-Maria, „am Altar und auf der Kanzel.“[6]

Das tiefe Verständnis, dass er von seinen patoralen Aufgaben hatte, war ohne Zweifel die Frucht seines Gebetes und seiner Betrachtung. Manche Aussagen über das Priestertum sind charakteristisch für den Heiligen und zeigen die große Einsicht, die Johanes-Maria auf diesem Gebiet zuteilwurde. „Würde sich der Priester vollkommen der Größe seiner Berufung bewusst werden, so müsste er beinahe daran sterben. Er vertrittGott und ist angetan mit der Macht Gottes.“[7]

Genauso, wie der Heilige das Priestertum als die Ausübung der sakramentalen Akte Christi und Verpflichtung zur getreuen Weitergabe Seiner Weisungen sah, erkannte er auch, dass seine Autorität nicht von ihm selbst kam, sondern die Autorität Christi war. Dieses genaue und korrekte Verständnis verleitete den heiligen Pfarrer jedoch nicht dazu, Anerkennung in Titeln, Kleidung oder Ehrerweisungen zu suchen. Er wurdenicht von dem Gedanken versucht, sich durch seine Autorität zum Herrn über andere zu erheben, handelte es sich doch um die Vollmacht dessen, der nicht gekommen war, „um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen“[8].

Aber weil es sich um die Vollmacht Christi handelte, schloss dies auch die schwere und große Verantwortung ein, dort, wo es nötig war, die Seelen gemäß dem Wort des Apostels zurechtzuweisen: „Verkünde das Wort, tritt dafür ein, ob man es hören will oder nicht; weise zurecht, tadle, ermahne, in unermüdlicher und geduldiger Belehrung.“[9] Heutzutage mögen uns manche der Aussagen des Heiligen Pfarrers von Ars in Bezug auf Tanz und andere Aktivitäten als streng erscheinen. Aber seine Nachdrücklichkeit verdeutlicht auch, wie wichtig er den Dienst an jeder einzelnen Seele nahm. In Anbetracht der Wichtigkeit seiner Verpflichtungen war es für ihn undenkbar, aus Furcht vor der Meinung anderer zu schweigen. Zu Beginn seiner Tätigkeit in Ars konnte kaum jemand seine Hinweise ertragen, aber die Tatsache, dass er von vielen für einen Narren gehalten wurde, bot dem Heiligen nur eine Gelegenheit mehr, das Vorbild seines Herrn und Meisters nachzuahmen.

Der wahre Schlüssel zum Verständnis seines pastoralen Dienstes ist jedoch der Umstand, dass er an erster Stelle alle Dinge in ihrem Verhältnis zu Gott bewertete. Die Sünde war für ihn zuallererst eine Beleidigung Gottes und daher das größte Übel. Jede Seele wurde dazu erschaffen, um bei Gott zu sein. Nur in Seiner Gnade konnten die Hindernisse beseitigt werden, die der Teufel den Gläubigen des Pfarrers von Arsauf ihrem Weg in die Ewigkeit bereitet hatte. Als Priester war Johannes-Maria von Gott dazu berufen worden, gleich einem Werkzeug, ein wahrer Hirte für jede einzelne Seele der Pfarrei zu sein. Vor diesem Hintergrund konnte gab es für den Heiligen keinen Raum für die Einsprüche anderer, natürliche Bequemlichkeiten oder Menschenfurcht[10]. Die Autorität, die er ausübte, hatte er nicht aus sich selbst, sondern er übte sie als ein Werkzeugt Christi aus, an dessen Priestertum er Anteil hatte.

Selbsthingabe

Die hohe Meinung, die der Heilige von seinen Verpflichtungen hatte, führte dazu, dass er sich selbst nach dem Vorbild Christi für seine Gläubigen aufopferte. Schon zu Beginn erkannte er, dass seinen eigenen natürlichen Fähigkeiten für die ihm übertragenen Aufgaben unzureichend waren. Er fühlte sich selbst „unfähig auf Grund seines mangelnden Wissens und seiner geringen Tugenden für die Ausübung der priesterlichenVerpflichtungen“[11]. Wenn seine Weisungen befolgt wurden, so sah er dies nicht als Ergebnis seiner Redegewandtheit, sondern der Gnade Gottes, die er durch seine Bußwerke erfleht hatte. Einem Mitbruder sagte er einmal: „Ihr habt gebetet, ihr habt geklagt und geweint; habt ihr aber auch gefastet, die Nächte durchwacht, auf hartem Grund geschlafen und Buße getan? Solange dies nicht geschehen ist, glaube ich nicht, das ihr irgendetwas getan habt.“[12]

Es wird deutlich, dass Johannes-Maria durch göttliche Eingebung fähig war, Kasteiungen an sich vorzunehmen, die das Maß der gewöhnlichen menschlichen Klugheit überschritten. Die Quälereien durch den Teufel bezeugen, dass Gott den Pfarrer von Ars auf eine Weise für seine Gläubigen leiden ließ, die den meisten Priestern nicht zuteilwird. Das Ausmaß dieser Kasteiungen stellt jedoch für den Priester nicht die grundsätzlicheBedeutung in Frage, Christus um der Seelen willen auch auf dem Weg der Abtötungen nachzueifern. Eine Haltung des Gebets und der Selbsthingabe wird den Priester davor bewahren, Erfolge als Frucht seines ureigenen Wirkens zu betrachten und erinnert ihn daran, dass seine Autorität nicht den eigenen Vorteil zum Ziel hat, sondern eine Autorität des Dienstes ist.

Ein lebendiges Beispiel

Die Gebete und Bußwerke des Heiligen blieben den Augen der Gläubigen verborgen, beeinflussten jedoch in offensichtlicher Weise den Alltag des Pfarrers von Ars. Die Gläubigen wurden in erster Hinsicht durch sein Beispiel angeleitet: Für die schien es, als würde ihr Pfarrer eher in der Kirche als im Pfarrhaus wohnen, so viele Stunden verbrachte er betend in der Kirche. Die viele Zeit, die Johannes-Maria im Beichtstuhlverbrachte, bestärkte die Gemeinde in der Auffassung, dass es für Ihren Priester nichts Wichtigeres gab, als eine Seele, die zu Gott zurückgefunden hat. Es war deutlich sichtbar, dass für ihn jede Seele wichtig war. Er sehnte sich nicht nach einer bestimmten Art von Gläubigen, sondern akzeptierte das, was Gott ihm in seiner Pfarrei gab. Er bevorzugte niemanden, sondern war wie der gute Hirte immer auf der Suche nach dem Verlorenen.

Eine beiläufige Bemerkung über die Predigten des Heiligen während seiner Vikarszeit in Ecully ist ein Hinweis für das gute Beispiel, das er seine Gläubigen gab: „Zu der Zeit predigte er meiner Meinung nach noch nicht sehr gut. Und dennoch: Wenn er mit dem Predigen an der Reihe war, eilten alle in die Kirche.“[13] Seine bloße Anwesenheit sprach Bände – sosehr, dass das gelebte Beispiel des Predigers aussagekräftiger war, als der Inhalt seiner Predigten.

Wie sehr profitieren die Seelen von lebendigen Beispielen. Die Verkündigung des Priesters kann leicht ins Leere gehen wenn sie nicht mit einem Leben einhergeht, dass Überzeugtheit vermittelt. In seinem Brief anlässlich der Eröffnung des Priesterjahres erinnert der Heilige Vater uns Priester an die Notwendigkeit der inneren Bekehrung und eines vorbildlichen, heiligen Lebens. Die jüngsten Skandale, in die Priesterverwickelt waren, haben einen enormen Schaden hinterlassen, aber der Heilige Vater erinnert beständig daran, welch großer Nutzen aus dem guten Beispiel der Priester erwachsen kann: „In der Welt von heute ist es ebenso nötig wie in den schwierigen Zeiten des Pfarrers von Ars, das die Priester sich in ihrem Leben und Handeln durch ein starkes Zeugnis für das Evangelium auszeichnen. Paul VI. hat zu Recht bemerkt: ‚Der heutige Mensch hört lieber auf Zeugen als auf Gelehrte, und wenn er auf Gelehrte hört, dann deshalb, weil sie Zeugen sind‘.“[14]

Die Sorge für seine Gläubigen

Wenn wir an die pastorale Sorge des heiligen Pfarrers von Ars denken, so gilt der erste Gedanke seinen Predigten. Er zögerte nie, die ganze Wahrheit zu verkünden und den Irrtum zurückzuweisen, auch wenn sich seine Zuhörer dabei nicht immer wohlfühlten. Seiner Meinung nach hatten die Gläubigen ein Anrecht darauf, die Wahrheiten des Glaubens in ihrer Fülle verkündet zu bekommen: „Der Irrtum muss bekämpft werden,auch bei den Christen. Sie habe genauso Anspruch auf die Wahrheit, wie andere auch.“[15] Er bediente sich des folgenden Vergleichs: „Die Sonne versteckt sich nicht aus Angst, am Morgen die Vögel der Nacht zu stören.“[16]

Er benutzte sogar das Kirchengebäude zur permanenten Belehrung. Über dem Seitenaltar, der seinem Namenspatron, dem heiligen Johannes dem Täufer geweiht ist, ließ er den Schriftzug anbringen: „Sein Kopf war der Preis eines Tanzes.“

Die meiste Zeit verbrachte der Heilige im Beichtstuhl. Für den Pfarrer von Ars war dies nicht bloß ein Ort, um Gnaden zu „verteilen“ oder von Sünden loszusprechen, sondern auch ein bevorzugter Ort, um die Seelen anzuleiten. Hier belehrte, ermutigte und – wenn nötig – tadelte er wie ein wahrer Hirte. Hier wurden viele Zeugen seiner Milde und Strenge die er einem jeden im rechten Maß zukommen ließ. Ein wahres Markenzeichendas Heiligen war es, niemals aus Müdigkeit eine unpassende Bemerkung zu machen oder sich in irgendeiner Weise zu rechtfertigen. Alles was er sagte, diente dem Ziel, die Gläubigen näher zu Gott zu führen. Er war bekannt dafür, anspruchsvoll zu sein, aber nicht in Bezug auf seine Gläubigen: „Ich war niemals über einen Gläubigen meiner Pfarrei erbost; ja ich glaube sogar, dass ich ihnen niemals nur einen Vorwurf gemacht habe.“[17] Und die Gläubigen bestätigten seine Aussage: „Es geschah mehr als einmal, dass er deutliche Worte finden musste. Aber er vermied stets sorgfältig alles, was seine Pfarrkinder verletzen könnte. Es gab nie persönliche Vorwürfe in seinen Belehrungen.“[18]

In seinem Brief zur Eröffnung des Priesterjahres erwähnt Papst Benedikt auch, dass das Bußsakrament für jeden Priester eine Bewertungsgrundlage seiner Arbeit ist. Er ermahnt die Priester, dass sie sich niemals mit leeren Beichtstühlen zufrieden geben sollen und ermuntert jeden, dieses Sakrament als einen bevorzugten Ort für die Seelenführung zu betrachten.

Obgleich die Arbeit des Heiligen im Beichtstuhl und auf der Kanzel für gewöhnlich am häufigsten erwähnt wird, ging seine pastorale Tätigkeit in der Pfarrei doch über diese beiden hinaus: Er gründete eine Mädchenschule, baute eine Schule für Jungen und errichtete „La providence“. Er verbrachte auch viel Zeit mit Besuchen bei seinen Gläubigen und sorgte sich besonders um die Kranken: „Nach seiner Ankunft in Arsbesuchte er oft seine Pfarrkinder und redete mit ihre über ihre Alltagsgeschäfte. Diese guten Menschen waren sehr erfreut darüber, dass ihr Pfarrer Anteil nahm an ihren Arbeiten und den Dingen, die sie interessierten. Den Kranken gab er ausführliche Ratschläge, über Dinge, die ihnen Heilung verschaffen konnten.“[19]

Man kann leicht dem Eindruck erliegen, der heilige Pfarrer von Ars sei lediglich an übernatürlichen Dingen interessiert gewesen und es hätte ihm an menschlichem Kontakt gemangelt. Die erwähnten Begebenheiten zeigen jedoch, dass Johannes-Maria sowohl die natürlichen als auch übernatürlichen Gaben genutzt hat, um Seelen für Christus zu gewinnen. Er kümmerte sich in jeder Hinsicht um die Seelen. Seine Gläubigenwaren für ihn kein bloßes „Projekt für die Heiligung der Seelen“, so als ob es ein Rezept hierfür gäbe. Wie Christus liebte und kümmerte er sich um die ihm anvertrauten Menschen in all ihren Nöten.

Das Gebet für die Priester

Das Leben des heiligen Johannes-Maria Vianney verdeutlicht die Notwendigkeit für ein tiefes Verständnis der Verantwortung, die ein Priester als Hirte innehat. Die Ernsthaftigkeit, mit der Johannes-Maria seine Aufgaben wahrnahm, verleiten dazu zu glauben, dass es hauptsächlich Furcht war, die ihn antrieb. Hierzu genügt es, sich seiner Worte zu erinnern: „Wenn jemand auf Erden das Priestertum in seinem ganzen Wesenverstehen könnte, würde er sterben - nicht aus Furcht, sondern aus Liebe!“[20]

Der Umstand, dass selbst für den heiligen Pfarrer von Ars die pastoralen Aufgaben schwierig waren, sollte uns dazu ermutigen, für unsere Hirten zu beten: An erster Stelle für den Heiligen Vater, aber auch für alle übrigen Bischöfe und Priester. Weit verbreitete Irrtümer über das Wesen der Freiheit haben nicht selten dazu geführt, dass Autoritäten missverstanden oder in Frage gestellt werden. Umso wertvoller isthier das Gebet. Im September bat Papst Benedikt XVI. in seiner Predigt während der Bischofsweihen besonders um drei Tugenden für Priester und Bischöfe: Güte, Klugheit und Treue[21]. Die Güte und Klugheit des Pfarrers von Ars, mit der er den Gläubigen begegnete, sind durch die unzähligen Begebenheiten seines Lebens belegt. Am meisten muss jedoch die Treue beeindrucken, mit der er über Jahre hinweg beständig und unermüdlich als Hirte tätig war.

Das Gebet, das die Mitglieder der Konfraternität Sankt Petrus täglich verrichten, betont die Notwendigkeit der Treue für alle Priester, die hierin dem Beispiel des heiligen Pfarrers nacheifern sollen. Möge es uns daran erinnern, wo wir die wahre Quelle dieser Treue finden können:
Herr Jesus, Du wurdest geboren, um von der Wahrheit Zeugnis zu geben, und Du liebst jene bis ans Ende, die Du erwählt hast: Erhöre gnädig unser Gebet für unsere Hirten. Du, der Du alles weißt, weißt ja auch, dass sie Dich lieben und dass sie alles vermögen in Dir, der sie stärkt. Heilige sie in der Wahrheit und erfülle sie mit demselben Geist, den Du Deinen Aposteln verliehen hast, damit Er sie in allem Dir gleichgestalte.

H.H.P. John Berg
Generaloberer

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[1] Johannes Paul II.: „Pastores dabo vobis“, Nr. 15 f.

[2] Mt. 28, 18-20

[3] Nodet, Bernard: „Le sacerdoce, c’est l’amour du cœur de Jésus“ (in: Le curé d’Ars. Sa pensée - Son cœur – Paris, 2000), S. 105

[4] Msgr. A. Angel: Vortrag anlässlich des einhundertsten Todestages des heiligen Johannes-Maria Vianney am 24. September 1959

[5] Jo. 6, 60

[6] Nodet: a. a. o. S. 109

[7] Nodet: a. a. o. S. 100

[8] Mt. 20, 28

[9] 2 Tim 4, 2

[10] Trochu, Francis: „L'âme du curé d'Ars“, Paris 2004. S. 61-79

[11] Nodet: a. a. o. S. 105

[12] Msgr. A. Angel: a. a. o.

[13] Nodet: a. a. o. S. 130

[14] Benedikt XVI.: „Schreiben zu Beginn des Priesterjahres“, 16. Juni 2009

[15] Nodet: a. a. o. S. 127

[16] Nodet: a. a. o. S. 128

[17] Nodet: a. a. o. S. 213

[18] Nodet: a. a. o. S. 233

[19] Msgr. A. Angel: a. a. o.

[20] Nodet: a. a. o. S. 100

[21] Benedikt XVI: „Predigt zur Weihe von fünf Bischöfen“, 12. September 2009